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Limnologie - die Lehre von den Binnengewässern
Binnengewässer

Gründungsgeschichte der DGL

Im Jahr 1922 wurde in Plön die internationale limnologische Fachgesellschaft „Societas Internationalis Limnologiae Theoreticae et Applicatae“ oder auf Deutsch „Internationale Vereinigung für Theoretische und Angewandte Limnologie (IVL)“ von dem Schweden Einar Naumann, Professor für Limnologie in Lund, und dem Deutschen August Thienemann, Direktor der Hydrobiologischen Anstalt Plön, gegründet. Die Gesellschaft veranstaltet bis heute als „International Society of Limnology“ (SIL) weltweit alle drei Jahre eine große Tagung.

In den Jahren dazwischen fanden in der Bundesrepublik Deutschland Tagungen der deutschsprachigen IVL-Mitglieder statt. So auch vom 4.- 8. Oktober 1982 in Langenargen am Bodensee. Am Abend des 6. Oktobers tobte über dem See ein heftiger Sturm – im Saal ging es ebenfalls stürmisch zu. Dr. Wolfgang Schmitz, ehemaliger Schlitzer Limnologe, zu der Zeit in Karlsruhe bei einer Landesanstalt im amtlichen Gewässerschutz tätig, war der profilierteste „Angewandte“: Er beklagte unter dem Beifall der Anwesenden das Fehlen jeglichen Bezugs zu den praktischen Problemen des Gewässerschutzes auf den IVL-Tagungen. Die Fragen und Sorgen der „angewandten“ Limnologen und Hydrobiologen aus Verwaltung und Wasserwirtschaft würden so nicht berücksichtigt.

Dank der geschickten Diskussionsleitung von Prof. Hans-Jürgen Overbeck wurde schließlich beschlossen, eine deutsche limnologische Gesellschaft zu gründen, die Theorie“ und „Anwendung“ gerecht werden sollte.

Die Professoren Hubert Caspers, Hans-Joachim Elster, Kurt Lillelund, Waldemar Ohle und Hans-Jürgen Overbeck sowie Dr. Christian Steinberg und Dr. Wolfgang Schmitz bildeten das Organisationskomitee für die Gründung der neuen Gesellschaft, die „Deutsche Gesellschaft für Limnologie“ heißen sollte. Das war die Geburtsstunde der DGL.

Der 3. Oktober 1984 geht in die Geschichte als Tag der Gründungsversammlung der Deutschen Gesellschaft für Limnologie ein. Während der Tagung der deutschsprachigen SIL/IVL-Mitglieder in Hamburg wurde die Gesellschaft von 100 Anwesenden gegründet. Offizielle Gründer wurden: Prof. Hans-Joachim Elster, Dr. Gabriele Gunkel, Prof. Kurt Lillelund, Dr. Ernst A. Nusch, Prof. Waldemar Ohle, Prof. Hans-Jürgen Overbeck, Prof. Max M. Tilzer und Dr. Günther Friedrich.

Am 20. März 1986 erfolgte schließlich die Aufnahme der DGL ins Hamburger Vereinsregister.

Als Ziele der DGL wurden festgelegt:

  • der Austausch von Informationen
  • die Organisation und Veranstaltung von wissenschaftlichen Tagungen, Seminaren und Workshops
  • die Bildung von Arbeitsausschüssen für besondere Fachgebiete und zur Bearbeitung umfassender Fragestellungen
  • die Abgabe von fachlichen Stellungnahmen zum Zustand und zur Entwicklung von Gewässern
  • die Abgabe von Empfehlungen zur Durchführung zum Zustand im Bereich des Gewässerschutzes
  • die Mitarbeit bei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben und deren Koordination
  • die Mitarbeit bei legislativen Vorhaben wie Verordnungen, Normen
  • die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten
  • die Förderung der limnologischen Ausbildung
  • die Pflege der Beziehungen zu Ausschüssen und Verbänden, Behörden, Gutachtergremien, wissenschaftlichen nationalen und ausländischen Organisationen, wobei die Beziehungen zur SIL/IVL besonders herausgestellt werden.

Die erste Mitgliederversammlung fand am 29. September 1986 in Karlsruhe statt. Auf ihr wurde das Ergebnis der 1. Präsidiumswahl (113 gültige und 11 ungültige Stimmen) bekannt gegeben: Günther Friedrich war als Präsident, Hans-Jürgen Overbeck als Vizepräsident sowie Hartmut Kausch als Schatzmeister und Alfred Hamm als Schriftführer gewählt worden. Bis heute ist vorgesehen, dass Präsident und Vizepräsident jeweils einem anderen Lager – theoretischer oder angewandter Limnologie – zugehörig sein müssen.

Bald nach ihrer Gründung hat die DGL stetig Mitglieder hinzugewonnen und erreichte zu Ende der 1990er Jahre über 1000 Mitglieder. Auch die Jahrestagungen wurden regelmäßig mit mehr als 400 Teilnehmern sehr gut besucht.

Ernennung der beiden ersten Präsidenten Prof. Dr. Günther Friedrich (links) und Dr. Alfred Hamm zu Ehrenmitgliedern durch ihre Nachfolgerinnen Frau Prof. Dr. Brigitte Nixdorf (links) und Frau Prof. Dr. Elisabeth Meyer im Jahre 2005.
Am Tisch sitzen links Schriftführer Dr. Ralf Köhler, rechts Prof. Dr. Hartmut Kausch, langjähriger Schatzmeister.

Dieser Erfolg ist auch ein Ergebnis des Prinzips, nicht nur den Etablierten, sondern auch jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern Gelegenheit zu geben, vor einem großen (aber wohlgesonnenen) Auditorium über die eigenen Arbeiten zu berichten. Auf den Tagungs-Exkursionen konnten die Teilnehmer sich nicht nur untereinander, sondern auch die limnologischen Besonderheiten der Region kennen lernen. Und wo sonst konnte eine junge Studentin dem lehrbuchschreibenden Prof. Jürgen Schwoerbel erklären, was eine Krebsschere ist – die einzige Makrophyte, die ihr bisher untergekommen war! So hatten die Tagungen für viele ganz besondere Erlebnisse zu bieten.

Die DGL wurde sehr bald in der Wasserwirtschaftsverwaltung und bei den Wasserwirtschaftsverbänden eine bekannte Größe. Auch bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde die DGL anerkannt und darf Fachberater für die Forschungsförderung im Bereich Wasserwesen stellen.

Mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands ergaben sich für die deutsche Limnologie neue Perspektiven. Die Jugendburg Ludwigstein an der Werra bei Witzenhausen bot sich als Standort für eine erste gesamtdeutsche Fachtagung zum Thema Fließgewässerbewertung im Mai 1990 an. Erfreulich groß war dabei die Beteiligung der Limnologinnen und Limnologen aus der DDR und noch stärker dann bei der folgenden, sehr gut besuchten Jahrestagung im September 1990 in Essen.

Entsprechend den neuen Möglichkeiten fanden in der Folge regelmäßig die Jahrestagungen auch im Osten Deutschlands statt, die ersten 1995 in Berlin und 1996 in Schwedt.

Seit den Anfängen der DGL werden die Beiträge zu Vorträgen und Postern der Jahrestagungen als Tagungsband herausgegeben und erreichen so eine breite, überwiegend deutschsprachige Leserschaft. Von Beginn wurden, meist durch Eigeninitiative von Mitgliedern, Arbeitskreise zu unterschiedlichen limnologischen Fragen gebildet. Daraus sind Schriften zu ausgewählten Fachthemen wie z. B. zu Baggerseen oder zu Qualitätsstandards limnologisch tätiger Büros und Laboratorien hervorgegangen. Hinzu kommt seit 2014 die Schriftenreihe der DGL-Arbeitshilfen mit u. a. sehr gut angenommenen Bestimmungsschlüsseln.

Die DGL kooperiert seit vielen Jahren mit nationalen Fachgesellschaften und Fachverbänden wie VDBiol, BWK, DWA, aber auch anderen limnologischen Fachgesellschaften beispielsweise in Polen und Rumänien.

Basierend auf einem Beitrag von Günther Friedrich & Alfred Hamm (DGL-Mitteilungen 2004 „20 Jahre DGL“)