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Limnologie - die Lehre von den Binnengewässern
Binnengewässer

Prof. Dr. Werner Pietsch

Am 20. Oktober 2019 ist der Hydrobotaniker, Limnologe, Pflanzensoziologe und Ökophysiologe Professor Werner Pietsch im Alter von 84 Jahren (09.12.1934 - 20.10.2019) in Dresden verstorben.

Werner Pietsch wurde am 28. September 1928 in Glogau / Schlesien (heute: Głogów / Polen) geboren. Nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam (jetzt Universität Potsdam) und einer Graduierungsarbeit über die Zwergbinsen- und Strandlingsgesellschaften der Nieder- und Oberlausitz bei Professor Wolfgang R. Müller-Stoll (1909-1994) (s. Pietsch, W. 1963: Vegetationskundliche Studien über die Zwergbinsen- und Strandlingsgesellschaften in der Nieder- und Oberlausitz. - Abh. Ber. Naturkundemus. Görlitz, 38/2: 1-80; Pietsch, W. &. W.R. Müller-Stoll 1968: Die Zwergbinsen-Gesellschaft der nackten Teichböden im östlichen Mitteleuropa, Eleocharito-Caricetum bohemicae.- Mitt. flor.-soz. Arb.Gem. N.F. 13: 14-47), arbeitete er von 1964 bis 1968 am Botanischen Institut der Universität Leipzig. Als Kartierer erfasste er die Flora von Eisenbahnanlagen (Adventiv- und Ruderalvegetation). Werner Pietsch war auch korrespondierender Wissenschaftler der hydrographisch-biologischen Arbeitsgemeinschaft bzw. des Vereins BONITO im Feldberger Seengebiet in Mecklenburg-Vorpommern (s. Pietsch, W. & K. Pietsch 1981: Zur hydrochemischen Beschaffenheit einiger Gewässer der Umgebung von Feldberg. - In: AG Bonito (Richter, W.M. & J. Thürnagel [eds.]): Luzin-Report). Nach der Wende erhielt er eine Professur für Spezielle Rekultivierung im Fachgebiet Bodenschutz und Rekultivierungan der Brandenburgische Technische Universität Cottbus. Dabei leistete er einen großen Beitrag zur Erforschung der Vegetationsentwicklung in der Bergbaufolgelandschaft der Lausitz, des Lausitzer Seenlandes und des Naturschutzes in diesem Gebiet. Nach seiner Emeritierung führte Werner Pietsch seine wissenschaftlichen Arbeiten im Büro für Umwelt und Naturschutz, Wasserwirtschaft und Landschaftsgestaltung in Dresden fort (s. auch Pusch et al. 2015). Seine Arbeitsbereiche waren Armleuchteralgen und Gefäßpflanzen, Aut- und Synökologie, Gewässerökologie und -klassifizierung, Vegetationskunde, Ökophysiologie sowie Sukzession der Vegetation in Bergbaufolgelandschaften und Pflanzenkläranlagen.

Von 1960 bis 1981 untersuchte er die mitteleuropäischen Zwergbinsengesellschaften der Ordnung Cyperetalia fusci Pietsch 1963 in den Teichgebieten der Nieder- und Oberrlausitz in Brandenburg und Sachsen, dem Moritzburger Teichgebiet, den Teichgebieten im Erzgebirgsvorland zwischen Freiberg und Olbernau in Sachsen sowie in dem Teichgebiet der Schleizer Seenplatte, insbesondere dem Plothener Teichgebiet im südöstlichen Thüringen. Er führte auch floristische Untersuchungen in im Wittingauer Teichgebiet in der Umgebung von Třeboň (Tschechien) und in Teichgebieten und Reisfeldern in der Großen Ungarischen Tiefebene durch. 2013 hielt Werner Pietsch einen beeindruckenden Vortrag über die Entwicklung der Teichbodenvegetation in der Lausitz in den vergangenen 50 Jahren als Langzeit-Monitoring. Bei diesen Studien wurden auch erste Untersuchungen über das Keimverhalten der therophytischen Cyperetalia fusci-Arten in den Jahren 1964 bis 1968 am Botanischen Institut der Universität Leipzig durchgeführt. Die Gliederung der Cyperetalia fusci-Gesellschaften in Verbände und Assoziationen sowie Initialstadien, Vegetationsmosaiken und Gesellschaftsfragmente konnte er am Beispiel des Keimverhaltens zahlreicher Kennarten erklären und bestätigen. Mehrere Beschreibungen von Armleuchteralgen-, Wasserpflanzen- und Sumpfpflanzen-Syntaxa stammen aus seiner Feder und auch zusammenfassende Übersichten zur Vegetation der Charetea-, der Litorelletea- und der Utricularietea-Gesellschaften. Ebenso publizierte er besondere Funde von Armleuchteralgen (z. B. Chara braunii) und von Wasserpflanzen (z. B. Myriophyllum heterophyllum, Najas marina) einschließlich ihrer Verbreitung, Soziologie und Ökologie. Pflanzengesellschaften und ökologische Verhältnisse in Mooren in Brandenburg und Sachsen-Anhalt standen ebenfalls auf seinem Untersuchungsprogramm (s. Pietsch, W. 1976: Vegetationsentwicklung und wasserchemische Faktoren in Moorgewässern verschiedener Naturschutzgebiete der DDR. - Arch. Natursch. u. Landschaftsforsch. 16: 1-43). 1982 fasste er sein umfangreiches Wissen über die Aut- und Synökologie der aquatischen Makrophyten in dem Kapitel „Makrophytische Indikatoren für die ökochemische Beschaffenheit der Gewässer“ in dem von G. Breitig und W. von Tümpling herausgegebenen Buch „Ausgewählte Methoden der Wasseruntersuchung, Band. II Biologische, mikrobiologische und toxikologische Methoden“  (Gustav Fischer Verlag Jena) zusammen, nachdem er bereits 1972 wichtige Ergebnisse zur Bioindikation aufgrund aquatischer Makrophyten veröffentlicht hatte (s. Pietsch, W. 1972: Ausgewählte Beispiele für Indikatoreigenschaften höherer Wasserpflanzen. - Arch. Natursch. u. Landschaftsforsch. 12: 121-151).

In Vorlesungen, mit interessanten und lehrreichen Vorträgen und auf von ihm geleiteten Exkursionen übermittelte Werner Pietsch sowohl vielen Studierenden der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und Fachkollegen als auch Natur- und Heimatfreunden sein umfangreiches Wissen, so auch im Floristische Arbeitskreis der Niederlausitz (s. Pietsch, W. 2003: 40 Jahre Floristischer Arbeitskreis der Niederlausitz. - Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 136: 405-410). Die Hydrobotaniker- und Limnologen-Familie wird einen wissensreichen Hochschullehrer und Fachmann vermissen, der für die Hydrobotanik, Gewässerökologie, Pflanzensoziologie und Ökophysiologie einen großen Beitrag geleistet hat.

Dr. Lothar Täuscher, Berlin

Weiterführende biografische Daten und Literatur mit Zitaten von Werner Pietsch

  • Pott, R. (1992): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. - Stuttgart
  • Pusch, J., K.-J. Barthel & W. Heinrich (2015):  Die Botaniker Thüringens. - Haussknechtia Beiheft 18: 1-932
  • Schubert, R., W. Hilbig & S. Klotz (2001): Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands. - Heidelberg