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Limnologie - die Lehre von den Binnengewässern
Binnengewässer

Limnologica - Ecology and Management of Inland Waters

Die Limnologica ist eine international gut etablierte Zeitschrift für das Gebiet der Limnologie, der Aquatischen Ökologie und ähnlicher Fachdisziplinen mit der Schwerpunkt Gewässerforschung. Die vom Elsevier Verlag herausgegebene Zeitschrift ist besonders auch an Artikeln interessiert, die sich mit dem komplexen Zusammenspiel von biologischen, chemischen und physikalischen Aspekten sowie angewandten Fragen des Gewässermanagements oder der Klassifizierung befassen.

Ein Ziel besteht auch darin, mehr Studien aus wenig untersuchten Regionen der Welt wie in Südamerika, Afrika und Asien der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich zu machen.

Die Zeitschrift wurde 1962 durch den damaligen Direktor der Forschungsstelle am Stechlinsee Theodor Schräder (1904-1975) gegründet.

Die Limnologica ist eng mit der DGL verbunden. Ehemalige Herausgeber waren unter anderem Jost Casper, Walter Geller, Jürgen Benndorf, Günther Friedrich, Wilfried Schönborn und Rainer Koschel.  Durch die Mitwirkung als Herausgeber oder im Beirat wird die Zeitschrift auch aktuell durch DGL Mitglieder tatkräftig unterstützt.

Wissenschaftliche Beiträge von DGL Mitgliedern sind sehr willkommen. Es besteht die Möglichkeit, 4-5 Artikel mit großer Relevanz für alle Limnologen in Deutschland und andere Interessierte auf der DGL Webseite frei zugänglich zu machen.

Weitere Informationen unter:  https://www.journals.elsevier.com/limnologica

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16.08.2022
Kanusport beeinträchtigt das Makrozoobenthos, aber die Effekte sind gering im Vergleich zu den Auswirkungen der Wasserkraftnutzung

Daniel Hering, Willem Kaijser, Julian Enss, Carina Jadjewski, Reinhard Rust, Markus Venohr

Wir untersuchten, wie sich die Trittbelastung durch Kanufahrer auf die benthische Wirbellosenfauna eines Mittelgebirgsflusses (der Diemel) auswirkt. Im Bereich von drei Wehren, wo Kanufahrer gezwungen sind, den Fluss flussaufwärts des Wehrs zu verlassen und flussabwärts in den Fluss wieder einzusteigen, beprobten wir das Makrozoobenthos an den Ein- und Ausstiegsstellen sowie an zwei ungestörten Stellen direkt flussaufwärts und flussabwärts des Ein- und Austritts. All diese Stellen wurden mit ungestörten, frei fließenden Abschnitten weiter flussaufwärts verglichen.

Im Vergleich zu den frei fließenden Abschnitten beobachteten wir eine starke Wirkung der Stauhaltung (stromaufwärts der Wehre) und der Restwasserstrecken (stromabwärts der Wehre) auf die benthische Wirbellosenfauna: geringere Abundanzen, Taxa-Zahlen und Anteile empfindlicher Taxa sowie höhere Saprobien-Indizes. Im Vergleich zu direkt benachbarten Standorten waren Habitatzusammensetzung und das Makrozoobenthos an den Ausstiegsstellen nicht verändert. An den Einstiegsstellen stromabwärts der Wehre hingegen waren die Abundanzen und der Anteil empfindlicher Arten im Vergleich zu benachbarten Stellen stark reduziert.

Wir schließen daraus, dass Trittbelastung und das Ziehen von Booten eine starke, aber räumlich eng begrenzte organismische Drift nach sich zieht und damit Auswirkungen auf die Abundanzen an den Einstiegsstellen hat. Im Gegensatz dazu ist es für Kanufahrer möglich, die Boote stromaufwärts der Wehre zu verlassen, ohne messbare Störungen zu verursachen. Insgesamt sind die Auswirkungen des Kanusports auf das Makrozoobenthos gering im Vergleich zu den Auswirkungen von Stauhaltung und Restwasser.

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14.08.2022
Nahrungszusammensetzung und trophische Nischendifferenzierung von Neogobius melanostomus entlang eines Invasionsgradienten in der Elbe
Claudia Nogueira Tavares, Markus Weitere, Jost Borcherding, Patrick Gerngroß, Sascha Krenek, Susanne Worischka & Mario Brauns
Die Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus (Pallas 1814)) ist eine invasive Fischart, welche in vielen europäischen Flüssen mittlerweile häufig anzutreffen ist. Hier nutzen wir einen frühen Invasionsgradienten an der Elbe, um die Auswirkungen der Schwarzmundgrundel auf die Makrozoobenthosgemeinschaft abzuschätzen. Dabei konnten wir zeigen, dass die Populationen an früh invadierten Abschnitten der Elbe eine größere trophische Nische aufweisen, als an später invadierten Abschnitten. Entlang des Invasionsgradienten zeigte N. melanostomus eine signifikant zunehmende Präferenz für Crustacea und eine abnehmende Präferenz für Gastropoda in Steinschüttungshabitaten. Zusammenfassend konnten wir zeigen, dass das Invasionsstadium und das besiedelte Habitat bedeutende Faktoren sind, die die Auswirkung der Grundelinvasion auf die Makrozoobenthosgemeinschaft betroffener Flusssysteme steuern.

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31.01.2022
Ökologische Bewertung hoher Feinsedimentbelastungen anhand von Makrozoobenthos-Gemeinschaften der Böhmischen Masse in Österreich - Eine Sensitivitätsanalyse
Patrick Leitner, Wolfram Graf & Christoph Hauer

Sedimentdynamik und -zusammensetzung in Fließgewässern sind Schlüsselfaktoren, die sich auf die Lebensraumqualität aquatischer Organismen auswirken. Die Überlagerung der Fließgewässersohle mit Feinsedimenten allochthonen Ursprungs führt zur Homogenisierung der Habitatstrukturen sowie zu Kolmationseffekten im hyporheischen Interstitial. Wir untersuchten Makrozoobenthos-Zönosen von fünf Fließgewässern der Böhmischen Masse an morphologisch unbeeinflussten Referenzabschnitten und an Abschnitten unterschiedlich stark ausgeprägter Feinsedimentablagerungen der Korngröße 1 - 10 mm. Je großflächiger die Sedimentation, desto deutlicher war der Rückgang der Artenvielfalt, der Abundanz und der Biomasse des Makrozoobenthos. Die Ergebnisse der EU-WRRL konformen nationalen Methode Österreichs zur Bewertung des ökologischen Zustands indizierten jedoch nur bei höchstem Versandungsgrad eine Verschlechterung der Zustandsklasse und verdeutlichen, dass die ökologischen Folgen dieses schleichenden Prozesses mit Routine-Monitoring nicht leicht zu erfassen sind und meist erst spät erkannt werden. Die Studie zeigt auch, dass kleinräumige Strukturen durch eine weitgehend intakte Ufervegetation (Totholzeintrag) trotz einer generellen Homogenisierung der Substratzusammensetzung in den versandeten Abschnitten dazu beitragen können, eine höhere Biodiversität und ökologische Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von kleinräumigen Flussrenaturierungen und anthropogen initiierten flusstypspezifischen stabilen Strukturelementen wie z.B. große Steine oder Totholz, die wesentlich zur Verbesserung der ökologischen Gesamtsituation beitragen können.

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12.01.2022
Entwicklung einer Ufertypologie für den Bodensee mittels räumlicher Analysen
Jairo Guzman & Klaus Schmieder

Bevölkerungszuwachs und Tourismus üben einen enormen Druck auf Uferlebensräume des Bodensees aus. Andererseits wurden in den letzten Jahrzehnten große Anstrengungen in Uferrenaturierungen investiert, um die Uferlebensräume wieder in einen natürlicheren Zustand zu versetzen. Diese Maßnahmen und auch die Bedeutung des Bodenseeufers als UNESCO Weltkulturerbestätte, steigern den Bedarf für eine umfassende Ufertypologie als Entscheidungsbasis für das Management der Uferzone.

Unser Ansatz basiert auf der Abgrenzung von homogenen Uferbereichen nach morphologischen Kriterien als erstem Schritt zu einer umfassenden Ufertypologie. Anhand der Uferbreite und der Gefälle in verschiedenen Tiefenbereichen wurde mittels einer Kombination von räumlichen und statistischen Analysen die Litoralzone klassifiziert. Das Ergebnis ergab 10 verschiedene hydro-morphologische Ufertypen, jeweils für das Sublitoral und die potenzielle Überschwemmungszone des Litorals. Der Vergleich der Klassifikationsergebnisse mit Uferkartierungsdaten ergab, dass steile Ufer sowie befestigte Ufer einem höheren Erosionsrisiko ausgesetzt sind als flache und mit Schilf bewachsene Ufer. Die entwickelte Ufertypologie bildet damit eine nützliche Grundlage, um Strukturen und Prozesse zu verknüpfen, welche in der Uferzone mit der Ufermorphologie interagieren.

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1.06.2021
Eigendynamik als Treiber für den Renaturierungserfolg in einem Tieflandbach
Michael Seidel, Fengqing Li, Uta Langheinrich, Richard M. Gersberg & Volker Lüderitz

Im Jahr 2002 wurde der sandgeprägte Tieflandbach Ihle im Naturaum des Burger Vorflämings ca. 20 km nordöstlich von Magdeburg einer umfassenden Renaturierung unterzogen. Der Lauf wurde auf einer Länge von ca. 1600 Metern aus der Talrandlage in sein ursprüngliches Profil zurückverlegt, die Sedimentqualität und das Profil wurden durch Zugabe von Kies und Totholz verbessert. Jede landwirtschaftliche Nutzung in der Aue wurde eingestellt. Das Gewässer unterliegt seither einer natürlichen Sukzession.

Über einen Zeitraum von 17 Jahren erfolgte eine Erfolgskontrolle hinsichtlich der hydromorphologischen Eigendynamik sowie der Besiedelung mit Makrophyten, Makrozoobenthos und Fischen. In der Makrozoobenthos-Biozönose nahmen sowohl der taxonomische wie auch der funktionale Reichtum im Lauf der ersten 10 Jahre signifikant zu. Mit dem zunehmenden Einfluss von Beschattung und Totholz veränderte sich aber auch die Lebensgemeinschaft, z. B. nahm die Zahl der Libellenarten deutlich ab, die der Steinfliegen demgegenüber zu. Die Makrophytenbestände gingen zurück. Bei den Fischen blieb der Wiederbesiedelungserfolg aufgrund des geringen Rekolonisationspotenzials allerdings bisher nur mäßig."


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1.06.2021

Pegelstandsänderungen im Bodensee und ihre Beziehung zu Veränderungen in der Makrophytenbesiedlung der Abflüsse des Bodensee-Ober- und Untersees
Klaus Schmieder, Bernd Wahl, Michael Dienst, Irene Strang, Gunnar Franke, Martin Mainberger

Seit 2008 vergrößerten sich im Bodensee die Pegelunterschiede von Ober- und Untersee zunehmend, nachdem sie im 20. Jh. deutlich abnahmen. Die Frage nach den Ursachen der Änderung der Seespiegelverhältnisse führt zu der Annahme, dass die Veränderungen der Wasserpflanzenvegetation infolge der starken Nährstoffzunahme in den 1960er und 1970er Jahren und des anschließenden, bis heute andauernden Nährstoffrückgangs eine wesentliche Rolle spielen. Um die Frage zu klären, wurde die Verbreitung der Wasserpflanzen in den Seeausflüssen kartiert. Vor allem das Schweizer Laichkraut (Potoamogeton helveticus) nimmt als immergrüne Art der Ablussrinnen hier eine Schlüsselstellung ein. Tauchuntersuchungen und hydraulische Modellierungen ergänzten die Untersuchungen.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Schweizer Laichkraut im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich stark zugenommen hat. Die Art besiedelt aktuell die Sohle der Abflussrinnen des Seerheines bis in 6 m Tiefe mit bis zu 1000 Sprossen pro Quadratmeter und Sprosslängen von bis zu 5 m, während sie in den Jahrzehnten zuvor lediglich an den Rändern der Abflussrinnen in kleinen Beständen mit Sprosslängen von unter 1 m vorkam. In den Flachwasserzonen außerhalb der Abflussrinnen haben sich im vergangenen Jahrzehnt im Seerhein vor allem Armleuchteralgen ausgebreitet. Die hydraulischen Modellierungen bestätigen die Annahme, dass Wasserpflanzen die Ursache für die veränderten Seespiegelverhältnisse darstellen.

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03.12.2020
100 Jahre Limnologische Institute am Bodensee


Vor einem Jahrhundert wurden die ersten limnologischen Institute am Bodensee gegründet.

In der Geschichte der Institute spiegeln sich ein Jahrhundert Zeitgeschichte und
Wissenschaftsgeschichte: 100 Jahre neuer limnologischer Erkenntnisse, aber auch 100 Jahre Finanzierungsengpässe und teilweise erbitterter Konkurrenz zwischen den Institutsleitern (Max Auerbach, Reinhard Demoll, Hans-Joachim Elster) und auswärtigen Limnologen (August Thienemann).

Die DGL freut sich, diese vom DGL Mitglied Dietmar Straile in der Limnologica publizierte Geschichte allen DGL Mitgliedern und weiteren Interessenten hier frei zur Verfügung stellen zu können